“Was ich nicht höre, das wurde nicht gesagt“ – Von der Kunst, Gottes Wort zu hören

„Ohren zu und durch“ – Kinder beherrschen das meisterhaft. Wenn etwas Unangenehmes droht, schalten sie auf Durchzug. Doch Hand aufs Herz: Wir Erwachsenen sind oft kaum besser. Wir hören, was wir hören wollen, und überblenden den Rest mit dem Lärm und den Ablenkungen des Alltags. Zuhören ist anstrengend. Und wenn es ums Zuhören bei Gott geht, wird es noch schwieriger.

Denn Gottes Wort drängt sich nicht auf. Es schreit nicht, es verlangt keine Aufmerksamkeit mit grellen Farben oder lauten Tönen. Es spricht – leise, beharrlich, manchmal unbequem. Und doch trifft es uns plötzlich, mitten ins Herz. „Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert“, heißt es im Hebräerbrief. Es trifft, wo wir es nicht erwarten. Und manchmal, da meinen wir, es sei wirkungslos verhallt – doch in Wahrheit hat es längst Wurzeln geschlagen.

Gott sät großzügig aus, ohne Rücksicht darauf, wo der Same hinfällt. Auch auf steinigen Boden, auch dorthin, wo kaum jemand hinhört. Seine Botschaft gilt – ob wir sie wahrnehmen oder nicht. Aber wenn wir hinhören, wirklich hinhören, dann kann sie unser Leben verwandeln.

Lydia, die erste Christin Europas, ist ein eindrucksvolles Beispiel. Sie hörte Paulus zu – wirklich zu. Und ihr Herz wurde geöffnet, wie es in der Apostelgeschichte heißt. Aus dem Hören erwuchs der Glaube, und aus dem Glauben Handeln.

Vielleicht liegt hierin die Einladung dieses Sonntags: Die Ohren zu öffnen. Für das Wort, das tröstet und herausfordert, richtet und heilt. Denn was Gott spricht, bleibt nie ohne Wirkung – auch wenn wir es erst viel später verstehen.

Das Hören und Wirken wird das Handeln verändern - das ist die Schrift der Hoffnung.

Gute Grüße,

Franz Sauerteig

Diakon i.R.

franz.sauerteig@gmail.com

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