Lachyoga
Jun
Kürzlich war ich einige Tage in Neapel. Die Ausgrabungen in Pompeji haben mich besonders fasziniert. Beim Ausbruch des Vulkans Vesuv im Jahr 79 n. Chr. wurde die Stadt innerhalb weniger Stunden unter Lava und Vulkanasche begraben.
Fast zweitausend Jahre später wirken die freigelegten Räume erstaunlich vertraut: Kochutensilien, Schmuck, Möbel und Wandmalereien, ja sogar politische Parolen an Wänden. Unglaublich gut erhaltene Alltagsgegenstände lassen einen eintauchen in den Alltag der Menschen damals.
Und die Ausgrabungen zeigen: Der plötzliche Ausbruch des Vesuvs traf eine Gesellschaft, die sich in Sicherheit wiegte. Reichtum, Status, Luxus und die Erfüllung irdischer Wünsche prägten den Alltag. Es gibt durchaus Parallelen zur heutigen Zeit.
Carpe diem – Nutze den Tag. Dieser bekannte Sinnspruch des römischen Dichters Horaz fordert ja auch geradezu dazu auf, die Lebenszeit in vollen Zügen zu genießen. Viele Menschen in Pompeji haben das getan. In einigen Häusern fanden sich aber auch Hausaltäre. Man bat um Schutz oder Gesundheit für die Familie.
Deutlich wird: Damals wie heute liegt das Wesentliche nicht in unserer Hand. Angebliche Sicherheiten können von einer Sekunde auf die andere durch Naturkatastrophen, Krankheit oder Kriege verschwinden.
In Psalm 90 heißt es „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden“. Darin lese ich mehr als „carpe diem“. Vielmehr geht es darum, die eigene Vergänglichkeit ernst zu nehmen und die richtigen Prioritäten zu setzen. Wenn ich jeden Tag als Geschenk Gottes betrachte, gehe ich bewusster durchs Leben.
Die Faszination Pompejis liegt für mich in den Alltagsszenen, die die Katastrophe bis heute konserviert hat. Und ich stelle mir die Frage: Hätten die Menschen damals den Tag genauso gestaltet, wenn sie geahnt hätten, dass es ihr letzter sein würde?
Was kann das für uns heute heißen?
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Ihr Wolfgang Gutzeit
Prädikant
Kirchengemeinde Farmsen-Berne
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