Spielenachmittag
Okt
Ein Gedicht der evangelischen Theologin Dorothee Sölle († 2003): „Lasst uns Gehende bleiben. Wir sind nicht ganz zu Hause auf dieser Welt. Wenn wir pilgern, sind wir nicht nur wir. Er geht mit. Er ist dabei. Wir sind unterwegs mit dir, Gott. Durch Dunkel und Nässe, durch Nebel und oft ohne Weg und nicht selten ohne Ziel. Wir sind Wanderer. Wir sind Gehende. Wir sind noch nicht ganz angekommen. So wandert Gott mit uns und lehrt uns das Gehen – und das Suchen.“ Diese Sätze sind mir in den vergangenen Wochen gleich zweimal begegnet. Bei einer Trauerfeier habe ich sie verlesen. Die Angehörigen erzählten mir, dass die Gedanken von Dorothee Sölle der Verstorbenen viel gegeben haben. Sie war selbst jemand, die bis ins hohe Alter in der Lage war, Zelte abzubrechen und sich auf etwas Neues einzulassen. Wandern, unterwegs sein meint im übertragenen Sinne den Weg, den unser Leben nimmt mit allen Entwicklungen und Entscheidungen, mit allem Schönen, das sich vor uns auftut, aber auch dem Mühevollen. Und es bezeichnet die Fähigkeit, im Geist flexibel zu sein, wenn das physische Gehen schwerfällt.
Die zweite Situation war beim Gesamtkonvent der Pastoresim Kirchenkreis Hamburg-Ost. Thematisch ging es um die Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“. In der Andacht sprachen wir die Worte der Frau, die mit ihrer Theologie und ihren Gedichten Menschen bewegt hat, sich für den Frieden einzusetzen. Dorothee Sölle bewegt immer noch. Auch hier sind wir unterwegs. Ich finde es tröstlich zu wissen, dass wir auf dem Weg nicht allein sind. Es gibt eine ganze Reihe Wandergefährten. Und wir wissen Gott an unserer Seite, der mitgeht. Gemeinsam lässt es sich aushalten, wenn es zwei Schritte zurück geht. Aber es geht auch wieder nach vorn. Gott lehrt uns das Gehen – und das Suchen, vor allem nach Frieden.
Ihre Pastorin Marlies Höhne
Ev.-Luth. Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde, Tel.: 040-648680320,
marlies.hoehne@meiendorf-oldenfelde.de